
BSZ öffnet einen Nachmittag für Ausbildende
28. April 2026Das 2. Lehrjahr der Oberflächenbeschichter des BSZ für Bau- und Oberflächentechnik Zwickau besuchte am 11.Juni 2026 das Galvanotechnische Museum Leipzig. Dieser Besuch ist fester Bestandteil der Ausbildung und findet einmal während der Ausbildungszeit statt. Ziel ist es, den Auszubildenden die Entwicklung der Galvanotechnik von ihren historischen Grundlagen bis zu heutigen industriellen Anwendungen anschaulich nahezubringen.
Leipzig ist seit Ende des 19. Jahrhunderts eng mit der Galvanotechnik verbunden. Bereits 1881 gründete Dr. Georg Langbein in Leipzig einen galvanotechnischen Betrieb, aus dem später über die Langbein-Pfanhauser Werke eine bedeutende Entwicklungslinie der deutschen Galvanotechnik hervorging. Auch die spätere Geschichte des VEB Galvanotechnik Leipzig und des Forschungs- und Entwicklungsbereiches, aus dem 1972 die Entwicklung des heutigen TZO hervorging, zeigt die besondere Bedeutung des Standortes Leipzig für die Branche. (TZO Leipzig GmbH)
Das Galvanotechnische Museum wird ehrenamtlich von Fachleuten aus der Galvanobranche betrieben. Die Sammlung umfasst verschiedenste galvanotechnisch beschichtete Werkstücke. Für die Auszubildenden war besonders interessant, dass sich unter den Exponaten auch Werkstücke und Bezüge zu Firmen fanden, aus denen einzelne Auszubildende selbst kommen. Dadurch wurde greifbar, dass die Geschichte der Galvanotechnik nicht losgelöst von der heutigen Berufspraxis steht, sondern bis in aktuelle Ausbildungsbetriebe hineinwirkt.
Ein fachlicher Schwerpunkt lag auf der Schallplattentechnik. Dabei wurden unter anderem das Direct Metal Mastering, kurz DMM, sowie das Lackmastering vorgestellt. An diesem Beispiel konnten die Auszubildenden nachvollziehen, welche Rolle galvanotechnische Verfahren bei der Herstellung präziser Matrizen, Werkzeuge und hochwertiger Oberflächen spielen.
Im zweiten Teil des Museumsbesuches standen Ausstellungsstücke der historischen Anlagentechnik im Mittelpunkt. Besichtigt wurden unter anderem alte Gleichrichter, früher eingesetzte Trommel- und Glockentechniken sowie historische Materialien für Elektrolytbehälter. Auch die früheren Arbeitsbedingungen in der Galvanik wurden thematisiert. Gerade dieser Vergleich zeigte deutlich, wie stark sich Arbeitssicherheit, Anlagentechnik, Prozessführung und Umweltanforderungen in der Oberflächentechnik weiterentwickelt haben.
Ein weiterer Gesprächspunkt war die Bildungsarbeit des Museums. Auch Schulklassen allgemeinbildender Schulen können dort Führungen besuchen und erhalten so einen ersten Einblick in technische Berufe, Werkstoffe, Oberflächen und elektrochemische Verfahren. Damit leistet das Museum einen wichtigen Beitrag zur Berufsorientierung und zur Nachwuchsgewinnung in einem spezialisierten Berufsfeld.
Im Anschluss besuchte die Gruppe die Firma TZO Leipzig. Dort wurden die Auszubildenden vom Geschäftsführer und Inhaber Herrn Dr. Krümmling sowie von der Personalreferentin Frau Richter empfangen. Herr Dr. Krümmling gab einen Einblick in die Geschäftstätigkeit des Unternehmens und stellte die praktischen Anforderungen moderner Oberflächentechnik dar.
Die TZO Leipzig GmbH verbindet heute industrielle Oberflächenveredelung mit Laborleistungen im Bereich Umwelterprobung und Werkstoffprüfung. Im Bereich Galvanotechnik verfügt das Unternehmen unter anderem über Gestellautomaten und manuelle Anlagen für verschiedene Beschichtungsverfahren, beispielsweise Kupfer-, Nickel- und Chromschichten. Als besonderes Know-how benennt das Unternehmen unter anderem die galvanische Beschichtung von Aluminium sowie hochwertige Oberflächen für dekorative und funktionelle Anwendungen.
Nach einem gemeinsamen Imbiss folgte eine Führung durch die Galvanik sowie durch das Labor für Umwelterprobung und Werkstoffprüfung. Dort konnten die Auszubildenden erleben, wie eng Produktion, Qualitätssicherung, Werkstoffprüfung und Umweltanforderungen miteinander verbunden sind. Das Labor der TZO Leipzig GmbH ist nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert und bietet Prüfverfahren zur Bewertung technischer Produkte und Kunststoffmaterialien an, darunter Klima-, Korrosions-, mechanisch-dynamische sowie verschiedene Werkstoff- und Beschichtungsprüfungen.
Besonders wertvoll war für die Auszubildenden der direkte Vergleich zwischen historischer Anlagentechnik im Museum und heutigen betrieblichen Abläufen in einem modernen Unternehmen. Der Exkursionstag zeigte klar: Wer moderne Galvanotechnik verstehen will, muss ihre Geschichte kennen und zugleich die heutigen Anforderungen an Qualität, Wirtschaftlichkeit, Arbeitssicherheit und Umweltschutz im Blick behalten.
Leipzig, den 11.06.2026
Text und Bild: Benjamin Trinks




